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Tanzende Träume treffen tierische Fantasie

Das Musiktheater «Carneval» entführt Kinder und Erwachsene in eine lebendige Welt voller Musik und spielerischer Verwandlung.

Interview: Julia Kaufmann/Liechtensteiner Vaterland

Montag, 02.03.26

Mit dem Musiktheater «Carneval » schaffen die Compagnien Corps In Situ aus Frankreich und Artezia aus Luxemburg ein poetisches Bühnenereignis, das Spiel, Verwandlung und gemeinsames Erleben in den Mittelpunkt stellt. Wie im Karneval selbst wird gesungen, getanzt und gelacht: In diesem choreografischen und musikalischen Erlebnis kommen Kinder und Erwachsene zusammen, teilen unbeschwerte Augenblicke und finden Raum, ihre Persönlichkeit und ihre Träume frei auszudrücken, während Tanz und Livemusik zu einer lebendigen Fantasiewelt verschmelzen. Im Interview spricht Choreografin Jennifer Gohier über die künstlerischen Ursprünge von «Carneval », den kreativen Prozess hinter der Inszenierung und darüber, welche Bedeutung Fantasie, Verkleidung und gemeinsames Feiern heute in den darstellenden Künsten haben.

Die Idee

«Carneval» feiert Fantasie, Verwandlung und Verspieltheit. Was war der ursprüngliche künstlerische Impuls, der Corps In Situ und Artezia dazu brachte, dieses Projekt gemeinsam zu entwickeln?

Jennifer Gohier: Die zwei ersten Impulse für dieses Projekt waren selbstverständlich die Partitur von Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere», die mich jedes Mal auf eine spielerische und vergnügliche Reise mitnimmt, wenn ich sie höre. Aber auch mein damals dreijähriger Sohn, der den ganzen Tag damit beschäftigt war, sich zu verkleiden. Mit einem kleinen Stück Stoff oder einem einfachen Hut wurde er zu einem Superhelden oder einem Magier und eröffnete jedes Mal eine neue Fantasiewelt. Aus diesen beiden Impulsen heraus stellte ich mir ein Stück mit Tänzerinnen und Livemusikerinnen vor, um diese «grosse zoologische Fantasie» – wie Saint-Saëns sie selbst beschreibt – zu erforschen.

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Die Transformation

Wie haben Sie dieses ikonische musikalische Werk von Camille Saint-Saëns in eine zeitgenössische choreografische und visuelle Sprache übersetzt?

Zuerst haben wir mit den Tänzerinnen an tierischen Bewegungen gearbeitet und improvisiert. Dazu gehörten Gehen, Zittern, Schnuppern, Schütteln et cetera. Anschliessend haben wir gemeinsam mit den Musikerinnen jeden Teil der Partitur herbeigezogen und versucht, dessen Besonderheiten beizubehalten und darum herum zu improvisieren. Das konnte die Hauptmelodie sein, der Rhythmus oder die Anspielung auf ein bestimmtes Tier. Wir sind zudem in eine Schule gegangen, um Teile des Stücks dort zu entwickeln, damit wir von Beginn des Prozesses an mit Kindern in Kontakt waren und uns von ihren Emotionen und ihrem Blick auf die Dinge inspirieren lassen konnten. Schliesslich trafen wir uns alle im Studio, teilten unsere Arbeit miteinander und verbanden alles zu dem Stück, das es jetzt ist.

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Verbindung durch Masken

Masken, Tiere und traumartige Wesen spielen eine zentrale Rolle im Musiktheater. Was ermöglichen diese Verwandlungen den Darstellenden und dem Publikum auszudrücken, was im Alltag vielleicht nicht möglich wäre?

Da ist zunächst die festliche Seite. In der Geschichte des Karnevals waren die Feierlichkeiten immer eine Zeit des Loslassens. Durch Verkleidungen konnten alle – Reich und Arm – ohne soziale Unterschiede Spass haben und tanzen. Diese Tradition existiert in vielen Kulturen auf der ganzen Welt – von Venedig über Rio de Janeiro bis hin zu Oruro in Bolivien. Es gibt aber auch einen pädagogischen Aspekt. Für Kinder ist Verkleiden eine Möglichkeit, sich selbst aufzubauen, die Eigenschaften von Heldinnen und Helden anzunehmen, denen sie nacheifern, und zu jemandem zu werden, der sie im Alltag nicht sind. Sich zu verkleiden ist ausserdem ein kreativer Prozess und öffnet imaginäre Welten. Deshalb ist «Carneval» wirklich für alle gedacht – unabhängig von Alter oder Kultur – und verbindet Menschen durch Freiheit, Tanz und Freude.

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Verspieltheit und gemeinsame Momente

Welche Rolle spielen Feierlichkeit und Verspieltheit wiederum in den zeitgenössischen darstellenden Künsten?

Die ist für mich essenziell. Die Welt ist im Moment ziemlich dunkel, deshalb müssen wir Orte bewahren, an denen wir diese aus einer anderen Perspektive entdecken können: heller, optimistischer und voller Hoffnung. Genau das bedeuten für mich darstellende Künste für junges Publikum.

Und was hoffen Sie, dass das Publikum nach dem Erlebnis von «Carneval» mitnimmt?

Als Choreografin sehe ich mich wie ein Gärtnerin, die Samen in die Gedanken der Kinder pflanzt. Zeit und Fantasie lassen diese Samen bei jedem Kind unterschiedlich wachsen. Hier geht es bei diesen Samen um Freude, Freiheit und die Kraft, gemeinsame Momente miteinander zu teilen.

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Carneval

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Carneval

Choreografische und musikalische Fantasien entführen in ein fröhliches und festliches Universum
Wenn Masken tanzen und Träume Tiergestalt annehmen: «Carneval» verwandelt den Moment in ein Fest der Fantasie – eine Hommage an die Freiheit des Spiels.
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