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Der Blick ins kleinste Detail: Über das Mikro-Kino «FIVE LINES»

Miniaturbühnen, Live-Kamera und filmisches Erzählen verschmelzen zu einem Theatererlebnis, das gleichzeitig intim und gesellschaftlich weit ausgreift.

Montag, 30.03.26

Mit «FIVE LINES» bringt das Kollektiv Frau Trapp ein ungewöhnliches Mikrokino-Theater auf die Bühne des TAK: eine Zukunftsparabel über Ressourcenknappheit, menschliche Beziehungen und die Frage, wie wir miteinander leben wollen.

Im Vorfeld der Vorstellung am Dienstag, 5. Mai 2026, um 19.30 Uhr im TAK Theater Liechtenstein sprechen die Künstlerinnen und Künstler über die Idee hinter dem Stück, ihre besondere Arbeitsweise zwischen Film und Theater – und darüber, warum gerade eine Liebesbeziehung zum Spiegel großer gesellschaftlicher Fragen werden kann.

«FIVE LINES» erzählt von einer Zukunft, die von Ressourcenknappheit geprägt ist. Was war der Ausgangspunkt für diese Zukunfts-Parabel?

Man muss nicht weit gehen, um an diese Realität zu stoßen. Schon lange liegt dieses Thema in der Luft und nun hat der Kampf darum offiziell begonnen. Die begrenzten Ressourcen unserer Erde bestehen seit eh und je, aber der sinnlose Verbrauch, das Anhäufen von Reichtümern, ohne in die Zukunft zu blicken, ist Unsinn. Alles geht zu Ende, und der einzige Weg ist, dass wir endlich wieder lernen vernünftig damit umzugehen, damit es für alle reicht, und nicht nur für wenige. Es gibt ein altes Proverb der Cree, ein indigenes Volk aus dem Norden Amerikas:  

«Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.»

«Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.»
Proverb der Cree, ein indigenes Volk aus dem Norden Amerikas

Euer Stück verbindet Theater mit dem Format eines Mikrokino-Erlebnisses. Wie funktioniert diese besondere Form auf der Bühne – und was eröffnet sie für neue Möglichkeiten des Erzählens?

Das Bühnenbild ist in Miniaturform konstruiert. Es wird von uns manipuliert, um die Geschichte zu erzählen. Gleichzeitig werden Objekte und Miniaturen gefilmt und live auf einem großen Bildschirm gestreamt. Das heißt, das Publikum kann einerseits sehen, wie wir den Film live produzieren, und auf dem Bildschirm können sie das Endprodukt, den Film verfolgen. 

Diese Art zu erzählen ermöglicht uns einerseits Licht auf die Schönheit kleiner Sachen zu bringen, die wir normalerweise gar nicht wahrnehmen, und andererseits kann das Publikum vollkommen in dem Film abtauchen und vergessen, dass es im Theater ist. 

Dazu kommt, dass das Publikum die Möglichkeit hat zu sehen, wie man einen Film produzieren kann und wie viel Arbeit dahintersteckt, damit etwas auf dem Bildschirm landet. Dazu hilft es spannenderweise, wenn wir auch kleine Fehler machen, denn so realisiert man noch mehr, dass es live ist. 

Unsere Art, diese Erzählform zu brauchen, ist eine Mischung von Technologie und handwerklichem Kunstwerk. 

Im Zentrum steht die Beziehung eines Paares. Warum habt Ihr Euch entschieden, große gesellschaftliche Fragen gerade durch eine intime Begegnung sichtbar zu machen?

Alle großen gesellschaftlichen Fragen haben eine Auswirkung auf unser Intimleben, deshalb findet sich eine intime Beziehung auch im Spiegelbild der Gesellschaft wieder. Es sei denn, man kann sich vollkommen abschotten. Five Lines spricht von Träumen, Hoffnungen und Selbstverwirklichung, aber auch Angst. Eine gute Beziehung ist sich kontinuierlich am Wandeln und dass man die Beziehung in diesem Prozess aufrechterhalten kann, ist es wichtig, dass beide Personen sich ungefähr in dieselbe Richtung entwickeln. Damit das Paar bestehen kann, muss ein gemeinsames Wachsen stattfinden. Bei unseren Hauptpersonen besteht eine tiefe Beziehung, die alles für beide ist, jedoch die Umstände bringen beide soweit ihren tiefen Überzeugungen zu folgen. Liebe heisst nicht nur das Leben zu teilen, sondern auch gehen zu lassen und sich das Glück des anderen zu wünschen. 

Das Stück spricht von der Gier unserer Zeit, aber auch von Hoffnung. Wie haltet Ihr diese beiden Pole im Stück miteinander in Balance?

Für uns sind Hoffnung und Gier nicht zwei gegensätzliche Pole. Wir sprechen mehr davon, dass das Teilen und nicht das Scheffeln von Reichtum etc. ein Weg ist. Ich (Mina) arbeite auch im Kindergarten und das ist das erste, dass wir den Kindern beibringen. Doch in diesem kapitalistischen System, wo wir alle aufgewachsen sind, verlieren sich diese Gedanken schnell. Es ist ein grundlegendes Konzept, mit den anderen zu teilen. Es ist die Basis jeder funktionierenden Gesellschaft. Natürlich wird es Immer Leute geben, die die Situation mehr für sich ausnützen und die, die es nicht tun, sieht man schnell als dumm an. Deshalb ist es so wichtig, in die Erziehung unserer Kinder einzubeziehen, dass wir alle gleich sind und dass wir nicht viel brauchen, um gut zusammen zu leben. Der wahre Wert des Lebens ist nicht der materielle Reichtum, sondern die Liebe und das Leben selbst. 

Was wünscht Ihr Euch, dass das Publikum nach «FIVE LINES» mit nach Hause nimmt?

Dass es keinen Sinn macht, sich an den düsteren Seiten des Weltgeschehens festzuhalten. Es ist wichtiger als denn je, positiv zu denken. Es gibt immer einen Ausweg. Wir möchten, dass das Publikum über die Kraft des Zusammenhalts und die Eigenverantwortung nachdenkt. Alleine können wir wenig ausrichten, doch wenn wir zusammenstehen, sind wir stark. Es geht nicht darum, dass der Stärkere überlebt, sondern dass die Gemeinschaft uns stärkt und uns dazu hilft. 

Five Lines

FivesLives_01_© Alessia Bombaci_web.jpg

FIVE LINES

Mikrokino-Theater
Mit «FIVE LINES» entwirft Frau Trapp eine Zukunftsparabel zwischen Gier und Hoffnung: ein Kammerspiel im Mikrokino-Format, das die Fragilität menschlicher Träume eindringlich spiegelt.
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