• Schauspiel

Früchte des Zorns

Nach dem Roman von John Steinbeck
Staatsschauspiel Dresden
Umweltzerstörung, Flucht, Arbeitsmigration, Ausbeutung - John Steinbecks historischer Roman könnte kaum aktueller sein.

Eine grosse Dürre hat die Lebensgrundlage der Farmer Oklahomas zerstört, auch die der Familie Joad. Da sie den Pachtzins nicht mehr bezahlt können und die Grossgrundbesitzer die Arbeiter durch Maschinen ersetzen, entschliessen sie sich zu einer Reise ins Ungewisse: Tausende Kilometer reisen sie mit wenig mehr als sie am Leib tragen, einmal quer durch die Wüste und über den Kontinent, einer verheissungsvollen Zukunft entgegen. In Kalifornien, so hat man gehört, gebe es Arbeit, Wohlstand und die Hoffnung auf ein besseres Leben, ein kleines Glück. Doch mit jedem Schritt in Richtung des gelobten Landes wachsen Entbehrung, Ausbeutung und Anfeindung. Die Familie bricht auseinander und verliert sich in einer enttäuschten Schicksalsgemeinschaft von Einwanderern, in der die Früchte des Zorns reifen.

John Steinbeck schilderte bereits 1939 eindrücklich eine Welt geprägt vom Klimawandel und der Migration von Menschen, die von ihrem Land nicht mehr existieren können. Bei Steinbeck geht dies auf die Folgen von Grosser Depression, Monokultur und Missernten in den Vereinigten Staaten zurück. Die Parallele zur Gegenwart liegt auf der Hand. 


Die Resonanz war immens: Gegendarstellungen wurden geschrieben, Verbote angestrebt, der Autor als Volksverhetzer diffamiert. Gleichzeitig hatte Steinbeck selbst intensiv recherchiert, war mit einer Gruppe wie der Familie Joad gemeinsam bis nach Kalifornien gereist und wurde als Stimme der Unterdrückten gefeiert. 


1940 wurde FRÜCHTE DES ZORNS mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, 1962 erhielt Steinbeck den Literaturnobelpreis.

Regie 
Mina Salehpour

Bühne 
Andrea Wagner

Kostüme 
Maria Anderski

Musik 
Sandro Tajouri

Licht 
Andreas Barkleit

Dramaturgie 
Svenja Käshammer, Katrin Schmitz

Mit 
Lisa Natalie Arnold
Philipp Grimm
Hans-Werner Leupelt
Anna-Katharina Muck
Oliver Simon Werdelis
Paul Wilms

«Mit FRÜCHTE DES ZORNS legt Mina Salehpour am Staatsschauspiel Dresden ein Meisterwerk hin.»
Sächsische Zeitung

Pressestimmen

«Eine grosse Aufführung. Das ist ein Steinbeck-Steinbruch von ausserordentlich reicher Beute, reicher Energie, die man daraus hervorholen kann.» 

Deutschlandfunk Kultur

 

«Die Inszenierung berührt die richtigen Punkte, wenn man sich ein bisschen den historischen Rahmen zurechtbiegt, denn sie überfällt vor allem mit einem unglaublich tollen Bild. Ein Bühnenbild fast ohne Gleichen. Andrea Wagner ist die Bühnenbildnerin und sie schippt mehrere Kilo schwarz-graue Styropor-Kügelchen auf die Bühne. Das ist der einzige Ausstattungspunkt. In dem können die Figuren, wenn sie sich Schutzmasken überziehen, tatsächlich liegen, auch das Gesicht verschwindet in diesem Berg. Sie treten aus diesem Berg hervor, aus der Erde heraus. Diese Styropor-Kügelchen können zu allem werden. Mit der Windmaschine können sie zum Sturm über dem verkarsteten, elenden, armen Land werden. Sie können wie Wasserwellen die Menschen wegschwemmen und unter sich begraben In ihnen können Menschen verschwinden, als wären sie nie da gewesen. Eine grandiose Idee, wirklich mitreißende Idee, die den Abend zwei Stunden ohne Pause in Bewegung hält. 
Das Ensemble bewegt diesen Styropor-Sand mit großer Energie, mit Kampfenergie. Als würden Sie gegen die Elemente kämpfen. Diese Bühne ist allein schon die halbe Miete dieser Aufführung und das Ensemble, das diesen Kraftakt bewältigt, ist die zweite Hälfte.
Eine große Aufführung. Das ist ein Steinbeck-Steinbruch von außerordentlich reicher Beute, reicher Energie, die man daraus hervorholen kann. Mina Salehpour hat das in Dresden auf sehr mitreißende Weise gemacht. Das, was da an Beifall kam, ist beeindruckter Beifall.»
Deutschlandfunk Kultur

 

«Mit FRÜCHTE DES ZORNS legt Mina Salehpour am Staatsschauspiel Dresden ein Meisterwerk hin.
Wo führt das alles hin? Manchmal sollte man sich das nicht fragen. Sondern einfach weiterlaufen. Im gleißenden, von Staub durchsetzten Licht und gegen den peitschenden Sturm bewegt sich die Karawane voran, stampfend, schnaufend, kämpfend. Es sind Glückssuchende, Hoffende, Fliehende auf dem Weg von Oklahoma nach Kalifornien, wo die Orangenbäume blühen und Arbeit versprechen. Sie sind Wirtschaftsflüchtlinge der 1920er-Jahre: Ihre Heimat gibt für sie nichts mehr her, dort ist die Ernte verdorrt und die Banken treiben Schulden ein. John Steinbeck schrieb 1939 seine Geschichte FRÜCHTE DES ZORNS über diese wandernden Familien. Für seinen Roman, der auf Reportagen beruht, bekam Steinbeck den Pulitzerpreis. Und noch immer ist der Text drängend und berührend, eine großartige Folie für eine aktuelle Bearbeitung.


Wobei Regisseurin Mina Salehpour eben gerade nicht aktualisiert. Und ja, das ist bei dem Thema erwähnenswert. Salehpour verfügt über einen großartigen Text und genügend Kunstfertigkeit, um ihre Inszenierung in jedem Moment bedeutsam sein zu lassen. Da ist zunächst die großartige Bühne von Andrea Wagner. Wie eine cremige Masse wirken die Styroporkügelchen, aus denen die Darsteller auftauchen, durch die sie waten, mit denen sie kämpfen. Nebel wabert über diese graue Textur. Denn es liegt Staub über den Feldern von Oklahoma, das die Familie Joad nun verlassen will.


Die Inszenierung braucht keine Wutbürger-Karikaturen, um zu verstehen: Das hier hat mit uns zu tun.
Immer wieder treten die Darsteller aus ihren Rollen, spielen Nebencharaktere. Oder sie sprechen den Text als Prosa und lassen Bilder im Kopf der Zuschauer entstehen. Lebendig werden die Bilder durch fantastische Regieeinfälle: Wenn sich Philipp Grimm Scheinwerfer an die Arme bindet und die Spieler durch ihren Schrittrhythmus das monotone Ruckeln des Autos darstellen. Wenn sich die Familie im scheinbar wohlwollenden Migrantenlager Hausschuhe reichen lässt und diese wohlig überstreift, sich endlich ausruhend. Wenn in einem einzigen Schrei die Geburt und der Tod des Babys von der jungen Rose steckt, die schließlich am Schmerz zerbricht: eingegraben im Styroporstaub. Gastdarstellerin Lisa Natalie Arnold spielt diese Rose zuerst schnoddrig und laut, später verloren und zart, ganz in sich gekehrt – eine tolle Besetzung. Stark sind auch Anna-Katharina Muck als Mutter und Hans-Werner Leupelt als Vater. Oliver Simon und Simon Werdelis fehlt es etwas am Kraft, Paul Wilms ist ein vielversprechender Schauspielstudent.


Es ist vielleicht wichtig zu erwähnen, dass Mina Salehpour, Hausregisseurin am Staatsschauspiel, selbst eine Fluchtgeschichte hat: Als junges Mädchen kam sie mit ihren Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Dennoch – oder gerade deswegen? – hat sie der Textvorlage so viel Raum gelassen, dass FRÜCHTE DES ZORNS zu einer ebenso ruhigen wie bewegenden, einer wirklich großen theatralen Erzählung werden konnte.»
Johanna Lemke, Sächsische Zeitung

Preis: CHF 45, 40 | erm. 10
Dauer: 2 h
Mittwoch, 28.04.21
18.00 Uhr, SAL, Schaan

Info: Einführung um 19.20 Uhr
«Mit FRÜCHTE DES ZORNS legt Mina Salehpour am Staatsschauspiel Dresden ein Meisterwerk hin.»
Sächsische Zeitung

Pressestimmen

«Eine grosse Aufführung. Das ist ein Steinbeck-Steinbruch von ausserordentlich reicher Beute, reicher Energie, die man daraus hervorholen kann.» 

Deutschlandfunk Kultur

 

«Die Inszenierung berührt die richtigen Punkte, wenn man sich ein bisschen den historischen Rahmen zurechtbiegt, denn sie überfällt vor allem mit einem unglaublich tollen Bild. Ein Bühnenbild fast ohne Gleichen. Andrea Wagner ist die Bühnenbildnerin und sie schippt mehrere Kilo schwarz-graue Styropor-Kügelchen auf die Bühne. Das ist der einzige Ausstattungspunkt. In dem können die Figuren, wenn sie sich Schutzmasken überziehen, tatsächlich liegen, auch das Gesicht verschwindet in diesem Berg. Sie treten aus diesem Berg hervor, aus der Erde heraus. Diese Styropor-Kügelchen können zu allem werden. Mit der Windmaschine können sie zum Sturm über dem verkarsteten, elenden, armen Land werden. Sie können wie Wasserwellen die Menschen wegschwemmen und unter sich begraben In ihnen können Menschen verschwinden, als wären sie nie da gewesen. Eine grandiose Idee, wirklich mitreißende Idee, die den Abend zwei Stunden ohne Pause in Bewegung hält. 
Das Ensemble bewegt diesen Styropor-Sand mit großer Energie, mit Kampfenergie. Als würden Sie gegen die Elemente kämpfen. Diese Bühne ist allein schon die halbe Miete dieser Aufführung und das Ensemble, das diesen Kraftakt bewältigt, ist die zweite Hälfte.
Eine große Aufführung. Das ist ein Steinbeck-Steinbruch von außerordentlich reicher Beute, reicher Energie, die man daraus hervorholen kann. Mina Salehpour hat das in Dresden auf sehr mitreißende Weise gemacht. Das, was da an Beifall kam, ist beeindruckter Beifall.»
Deutschlandfunk Kultur

 

«Mit FRÜCHTE DES ZORNS legt Mina Salehpour am Staatsschauspiel Dresden ein Meisterwerk hin.
Wo führt das alles hin? Manchmal sollte man sich das nicht fragen. Sondern einfach weiterlaufen. Im gleißenden, von Staub durchsetzten Licht und gegen den peitschenden Sturm bewegt sich die Karawane voran, stampfend, schnaufend, kämpfend. Es sind Glückssuchende, Hoffende, Fliehende auf dem Weg von Oklahoma nach Kalifornien, wo die Orangenbäume blühen und Arbeit versprechen. Sie sind Wirtschaftsflüchtlinge der 1920er-Jahre: Ihre Heimat gibt für sie nichts mehr her, dort ist die Ernte verdorrt und die Banken treiben Schulden ein. John Steinbeck schrieb 1939 seine Geschichte FRÜCHTE DES ZORNS über diese wandernden Familien. Für seinen Roman, der auf Reportagen beruht, bekam Steinbeck den Pulitzerpreis. Und noch immer ist der Text drängend und berührend, eine großartige Folie für eine aktuelle Bearbeitung.


Wobei Regisseurin Mina Salehpour eben gerade nicht aktualisiert. Und ja, das ist bei dem Thema erwähnenswert. Salehpour verfügt über einen großartigen Text und genügend Kunstfertigkeit, um ihre Inszenierung in jedem Moment bedeutsam sein zu lassen. Da ist zunächst die großartige Bühne von Andrea Wagner. Wie eine cremige Masse wirken die Styroporkügelchen, aus denen die Darsteller auftauchen, durch die sie waten, mit denen sie kämpfen. Nebel wabert über diese graue Textur. Denn es liegt Staub über den Feldern von Oklahoma, das die Familie Joad nun verlassen will.


Die Inszenierung braucht keine Wutbürger-Karikaturen, um zu verstehen: Das hier hat mit uns zu tun.
Immer wieder treten die Darsteller aus ihren Rollen, spielen Nebencharaktere. Oder sie sprechen den Text als Prosa und lassen Bilder im Kopf der Zuschauer entstehen. Lebendig werden die Bilder durch fantastische Regieeinfälle: Wenn sich Philipp Grimm Scheinwerfer an die Arme bindet und die Spieler durch ihren Schrittrhythmus das monotone Ruckeln des Autos darstellen. Wenn sich die Familie im scheinbar wohlwollenden Migrantenlager Hausschuhe reichen lässt und diese wohlig überstreift, sich endlich ausruhend. Wenn in einem einzigen Schrei die Geburt und der Tod des Babys von der jungen Rose steckt, die schließlich am Schmerz zerbricht: eingegraben im Styroporstaub. Gastdarstellerin Lisa Natalie Arnold spielt diese Rose zuerst schnoddrig und laut, später verloren und zart, ganz in sich gekehrt – eine tolle Besetzung. Stark sind auch Anna-Katharina Muck als Mutter und Hans-Werner Leupelt als Vater. Oliver Simon und Simon Werdelis fehlt es etwas am Kraft, Paul Wilms ist ein vielversprechender Schauspielstudent.


Es ist vielleicht wichtig zu erwähnen, dass Mina Salehpour, Hausregisseurin am Staatsschauspiel, selbst eine Fluchtgeschichte hat: Als junges Mädchen kam sie mit ihren Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Dennoch – oder gerade deswegen? – hat sie der Textvorlage so viel Raum gelassen, dass FRÜCHTE DES ZORNS zu einer ebenso ruhigen wie bewegenden, einer wirklich großen theatralen Erzählung werden konnte.»
Johanna Lemke, Sächsische Zeitung

0