Schauspiel


Jakob von Gunten

Robert Walser

Schauspielhaus Zürich

Foto: Matthias Horn
«Eine präzise Choreografie und eine gepflegte Sprache prägen diesen Abend, der Robert Walsers tiefgründiger Wunderlichkeit auch in dreidimensionaler Gestalt gar wunderlich gerecht wird.»
Basler Zeitung

Robert Walser
Bühnenfassung von Barbara Frey und Amely Joana Haag

«Man lernt hier sehr wenig, es fehlt an Lehrkräften und wir Knaben vom Institut Benjamenta werden es zu nichts bringen, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein», beginnt Robert Walsers fiktiver Tagebuchroman aus der Perspektive des Internatszöglings Jakob von Gunten, erschienen im Jahr 1909. Der Ort der Handlung ist eine Dienerschule, in welcher die Entwicklung der Schüler nicht gefördert, sondern verhindert wird. Die Lehrer schlafen, sind tot, scheintot oder versteinert, ausser dem monströsen Vorsteher Herrn Benjamenta und seiner leidenden Schwester Fräulein Benjamenta. Der Grundsatz des Instituts lautet «Wenig, aber gründlich!».

Jakob von Gunten ist intelligent und stammt aus bürgerlichen Verhältnissen, jedoch verfolgt er stoisch das Ziel, eine «reizende, kugelrunde Null» zu werden. Am Ende dieses avantgardistischen, verstörenden Anti-Bildungsromans bleiben nur der Vorsteher des sich auflösenden Instituts – einem entthronten König gleich – und Jakob von Gunten übrig. Fräulein Benjamenta ist an Lieblosigkeit gestorben und die anderen Eleven haben eine Anstellung als Diener erhalten. Herr Benjamenta, der sich selbst als bedrohlichen Unmenschen bezeichnet, fühlt sich in der Gegenwart von Jakob zum ersten Mal lebendig und fleht ihn an, mit ihm in die Welt hinaus zu ziehen. Zuletzt reiten der Herr und sein Zögling Seite an Seite in die Wüste, ins Nichts und der Erzähler fragt: «Und wenn ich zerschelle und verderbe, was bricht und verdirbt dann? Eine Null.»

Regisseurin Barbara Frey inszeniert den Text ebenso abgründig wie heiter. Sie steigert die Absurdität des Instituts zu einem leichten, tiefschichtigen und humoristischen Theaterabend,der von schauspielerischer Präzision und clownesken Momenten lebt. «Jakob von Gunten», sagt Barbara Frey zu ihrer Aufführung«ist als Gegenentwurf zum heutigen Lebensoptimierungs- und Effizienzwahn gleichermassen heiter wie beunruhigend. Walsers Antihelden sind ausnahmslos einsame Menschen, die permanent ihre eigene Welt erfinden müssen, weil die Welt, so wie sie ist, nichts für sie bereithält.»

Der meistdiskutierte Roman des herausragenden Schweizer Schriftstellers und gesellschaftlichen Aussenseiters Robert Walser (1878–1956) wurde in 25 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. Walser war mit seiner scharfsinnigen Beschreibung von Entfremdung und Wertnihilismus seiner Zeit voraus.
Regie: Barbara Frey
Bühne und Kostüme: Bettina Meyer
Klavier und Celesta: Iñigo Giner Miranda

Mit: Hans Kremer, Stefan Kurt, Michael Maertens, Iñigo Giner Miranda
Foto: Matthias Horn

Termine



19:20 Uhr: Einführung

CHF 45, 40, erm. 10

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Dauer: 1 h 40 min keine Pause