Schauspiel


Biedermann und die Brandstifter

Von Max Frisch

Theater Karussell


Der Haarölfabrikant Gottlieb Biedermann nimmt in seinem Haus zwei Männer auf (Schmitz und Eisenring), die er auf seinem Dachboden hausen lässt. Biedermann muss feststellen, dass Schmitz und Eisenring auf dem Dachboden Benzinfässer einlagern und mit Zündschnur und Zündkapseln hantieren. Er lädt die beiden Männer zum Abendessen ein und fragt sie bei dieser Gelegenheit, wer sie seien und was sie wollten. Offen gestehen sie ihm, dass sie Brandstifter sind. Biedermann hält diese Auskunft aber für einen Scherz (obwohl es in letzter Zeit mehrfach zu Brandstiftungen gekommen ist), verbrüdert sich mit ihnen und gibt ihnen die verlangten Streichhölzer. Während sein Haus bereits brennt, will Biedermann es immer noch nicht wahrhaben, dass es sich bei Schmitz und Eisenring tatsächlich um Brandstifter handelt.

Gedanken der Regisseurin dazu
Warum das Stück? Weil es das Beste und nicht umsonst auch das meist gespielte Stück von Max Frisch ist. Es hat seit seiner Uraufführung 1958 an Aktualität stark zugenommen. Die Rollen sind hervorragend, die Dramaturgie raffiniert ausgeklügelt, der Zuschauer wird sich köstlich amüsieren mit einem Kloss im Hals, weil er sich permanent selber erkennt. Sind wir nicht alle Biedermänner? Werden wir nicht alle permanent von unserem schlechten Gewissen beinahe aufgefressen? Wir wissen doch alle, dass es längst nicht mehr 5 vor 12 ist - dass es mehr oder weniger ein Zufall ist, dass unser Planet uns nicht längst um die Ohren geflogen ist. Unsere Politiker gipfeln und gipfeln, verprassen unsere Steuergelder und entscheiden sich zu nichts. Es würde ja Arbeitsplätze kosten, und von der Industrie hängt ja  angeblich alles ab. Die Entscheidung fällt schwer, man spürt, dass man in einem Dilemma steckt, man müsste sich entscheiden und Konsequenzen ziehen. Aber warum denn ausgerechnet ich? Alle Anderen spielen ja auch mit. Also behält man die Bombe in der Hand, schiebt sie höchstens unters Kopfkissen, füttert die Bestien, vertagt die Entscheidung auf morgen und hofft dass sich die Probleme von alleine lösen. Das ist Biedermann. Das sind wir alle.

Unterstützt von: Kulturstiftung, Migros Kulturprozent, Guido Feger Stiftung, MBF Foundation, Hand in Hand Stiftung
Biedermann: Stefan Bösch
Babette, seine Frau: Heidi Salmhofer
Anne, das Dienstmädchen: Dodo Büchel
Schmitz: Thomas Hassler
Eisenring: Marcus Harm
Polizist: Nicolas Xander
Chor: Margrit Knecht, Stefan Novotny, Wolfgang Rainer, Nicolas Xander

Regie: Pia Sachtleben-Hänggi
Regieassistenz: Marcia Tiba
Kostüme: Kerstin Köck
Maske: Annette Ospelt
Technik: Armin Dietrich, TAK-Team
Produktionsleitung: Reinhard Walser