Schauspiel, Talks / Literatur


Das Mädchen mit dem Fingerhut

Michael Köhlmeier

Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair
In einer Fassung von Alexander Riemenschneider und Meike Schmitz
Deutsches Theater Berlin
in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Eine Stadt irgendwo in Westeuropa. Es ist Winter. Auf dem Markt steht plötzlich ein Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt. Woher sie kommt? Warum sie hier ist? Wie sie heisst? Sie weiss es nicht. Yiza, sagt sie, also heisst sie von nun an Yiza. Nach einiger Zeit lernt Yiza einen Jungen kennen: Arian. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg. Ihr Ziel: Etwas zu essen und ein warmer Ort, an dem sie bleiben können.  

«Das Mädchen mit dem Fingerhut» erzählt die Geschichte zweier Kinder, die mitten im reichen Europa halb verhungert durch die verschneiten Wälder ziehen und ausserhalb unserer moralischen Grenzen ums Überleben kämpfen. Michael Köhlmeier schaut diesen Kindern unsentimental, aber mit grosser Empathie über die Schulter und macht deutlich, was absolute Fremdheit und «Nichtverstehen» bedeuten. Aus der Perspektive dieser Kinder ist in dieser Welt das Gutgemeinte oft nicht das Richtige und Mitleid folgt sonderbaren Regeln. Am Ende nimmt Arian Yiza mit zu seinen Freunden. «Die Freunde», schreibt Köhlmeier, «das sind eine Horde von Zerlumpten, die bereits zu alt sind für Mitleid und Rührung.» In der Doppeldeutigkeit dieses Satzes bringt ereine für unser zukünftiges Zusammenleben vielleicht entscheidende Beobachtung zum Ausdruck: Die Freunde sind nicht nur zu alt,um Mitleid und Rührung in uns zu wecken,vielleicht haben sie auch schon zu viel erlebt,um selbst noch Mitleid und Rührung empfinden zu können.
Regie: Alexander Riemenschneider
Bühne/Kostüme: Juliane Grebin
Musik: Tobias Vethake

 Mit: Thorsten Hierse, Kotti Yun, Tobias Vethake (Live-Musik)
Fotos: Arno Declair

Termine


19:30 Uhr: Einführung

18 Uhr: Gespräch mit dem Autor Michael Köhlmeier

CHF 45, 40, erm. 10

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Dauer: 1 h 30 min, keine Pause