Schauspiel


Long Life

Von Alvis Hermanis und Ensemble

Neues Theater Riga / Lettland

Wenn junge Menschen ohne gesprochene Sprache das Leben alter Menschen spielen, entsteht in einem faszinierenden Panoptikum schauspielerischer Virtuosität eine Blickverschiebung, die ganz neue Einsichten in den Alltag unserer alternden Gesellschaft eröffnet.
Long Life erzählt von einem ganz normalen Tag fünf uralter Menschen, die in einer Kommunalwohnung leben. Sie können als Verlierer der großen Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts gelten. Rechts die Küche, links das Klo, und dazwischen drei Zimmer, angefüllt mit einem Universum von Krimskrams und Krempel. Das realistische Bühnenbild zeigt eine Welt, in der alle Gegenstände eine Seele haben. Die Bewohner kommunizieren mit Hilfe der Objekte, die sie ein Leben lang begleiteten. Das Einmalige an ihrem Spiel ist: Die fünf Schauspieler, die so einfühlsam die uralten Menschen spielen, sind allesamt sehr jung. Dadurch entstehen eine seltsame Verfremdung und eine außergewöhnliche Demonstration virtuoser Schauspielkunst, die ganz ohne Worte auskommt.

Kein Wunder, dass Alvis Hermanis mittlerweile „Marthaler des Baltikums“ genannt wird und zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Regisseuren des zeitgenössischen Theaters zählt. Seit 1997 leitet er das Neue Theater Riga, ein zeitgenössisches Repertoiretheater im Zentrum der Stadt. Viele seiner Produktionen werden weltweit auf internationalen Festivals gezeigt und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Hermanis inszeniert inzwischen an allen grossen Häusern Europas.
Regie: Alvis Hermanis

Ausstattung: Monika Pormale

Mit: Guna Zariņa, Baiba Broka, Kaspars Znotiņš, Ģirts Krūmiņš, Vilis Daudziņš
Grand PRIX, International theatre festival BITEF’39, 2005 Golden Laurel Wreath, Bestes Schauspielensemble, International theatre festival MESS’45, 2005 Audience Affinity Prize, International festival Baltic House, 2006 Herald Angel Prize, aufgenommen in das Hauptprogramm, Edinburgh International Festival, 2006Golden Mask, Beste ausländische Produktion, die in Russland gezeigt wurde, 2006

Selbst unter den Verlierern keimt Humor und Lebenslust. Es ist eine humane Botschaft, die uns diese Truppe aus Lettland überbringt. So jung war das Alte schon lange nicht mehr. (Dresdner Neueste Nachrichten)

Einen Apfel essen mit den dritten Zähnen – gar nicht so einfach. Selbst wenn es der Apfel der Versuchung ist, den der Verehrer überreicht. Um dann seiner Angebeteten ein Lied zu singen, in das sie zögernd einstimmt. Zwei dünne, alte Stimmen, oft mehr Vibrato als Ton. Diskreter sah man Verführung nie. (Der Tagesspiegel)

„Das Leben bleibt eine absurde Komödie. Welch herzliche Hommage an das Alter, welch wunderbares Theater des Alvis Hermanis.“ (Tagesspiegel)

„Sicher werden Sie lachen, vielleicht auch weinen – meist aber werden Sie nicht wissen, was von beidem zu tun ist.“ (Berliner Zeitung)