Schauspiel


Mein Kampf

George Tabori

Theater Konstanz


In einem Wiener Männerasyl wohnen der Koch Lobkowitz alias Gott und Schlomo Herzl, ein fliegender Buchhändler, der seine Memoiren schreibt. Ihre Kraft für den täglichen Überlebenskampf ziehen sie aus der philosophischen Betrachtung, theologischen Auslegung und vergnügten Dekonstruktion einer Welt, in der sie nicht viel zählen. Als ein junger, aus Braunau am Inn stammender Habenichts namens Adolf Hitler auftaucht, empfangen sie den neuen Mitbewohner freundlich. Und trotz Gottes alias Lobkowitz’ Bedenken umsorgt Schlomo Herzl den popelnden, deutlich bildungsfernen und völlig talentfreien Möchtegern-Kunstmaler aufopferungsvoll.
Geduldig versucht er ihm Manieren beizubringen, Wortgewandtheit zu vermitteln und ihm die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Doch seine Bemühungen fruchten nicht viel. Ausgestattet mit Herzls Mantel, einer neuen Frisur und den besten Ratschlägen wird der an Verstopfung leidende Antisemit an der Akademie der Schönen Künste abgelehnt, bemächtigt sich des Titels «Mein Kampf», unter dem Herzls Memoiren erscheinen sollten, und erregt damit keinerlei Aufmerksamkeit – bis Frau Tod nach ihm sucht. Allerdings nicht, um Hitler den Garaus zu machen, sondern um ihn als «Naturtalent», als Täter mit Sense, als Würgeengel besonderer Grösse zu casten.

George Taboris 1987 uraufgeführte Farce vereint scharfsinnige Komik, untröstlichen Weltschmerz und unbeirrbare Menschenliebe zu einem Porträt der Banalität des Bösen und setzt diesem wie nebenbei den Reichtum jüdischer Geschichte, Kultur und Rhetorik entgegen.  


George Tabori, 1914 geboren in Budapest, emigrierte 1935 nach London, arbeitete als Auslandskorrespondent in Sofia, Istanbul, Palästina sowie Ägypten. 1947 ging er in die USA, wo er als Drehbuchautor für Hollywood arbeitete, bevor er in den 70er Jahren nach Europa zurückkehrte, um hier einer der wichtigsten Theatermacher seiner Zeit zu werden. Er starb 2007 in Berlin.

Serdar Somucu geboren 1968 in Istanbul, ist Schriftsteller, Kabarettist und Regisseur. Er inszenierte u. a. an den Schauspielhäusern in Bochum, Bremen und Oberhausen. Somuncu erhielt den Deutschen Literatur-Theater-Preis und den Prix Pantheon.
Regie: Serdar Somucu

Termine


Einführung um 19:30 Uhr

Einführung um 19:30 Uhr

CHF 45, 40, erm. 10

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