Spielzeitthema "Alles wird immer besser ..."
Seit gut zweihundert Jahren heisst unser Motto: «Immer besser, immer schneller, immer effizienter, immer profitabler». Wir nennen das Fortschritt. Ihm zugrunde liegt eine Wirtschaftsform, in der alles stetig fortschreiten oder aber untergehen muss. Wir nennen sie Kapitalismus.

Die wirtschaftliche Konkurrenz aller gegen alle ist ein Hochleistungsmotor, der den Fortschritt effizienter vorantrieb, als jede andere Wirtschaftsform. Adam Smith, ihr grosser Vordenker, war überzeugt, dass wenn «jeder seine eigenen Interessen verfolgt, er oft diejenigen der Gesellschaft auf wirksamere Weise fördert, als wenn er tatsächlich beabsichtigt, sie zu fördern». Die «unsichtbare Hand» des freien Markts schien jedes Problem zu lösen: Energiemangel, Überbevölkerung, Hunger, Krankheiten, Kriege? Atom, Pille, Agrochemie, Gentech und Freihandelsabkommen lösen das Problem.

Dachten wir. Nicht erst seit der Finanzkrise dämmert uns, dass diese Art Fortschritt in eine Sackgasse geraten ist. Das «immer besser» ist an Grenzen gestossen. Statt «besser» ist manches «schlimmer» geworden.
Doch was genau ist «besser», was «schlechter»? Wachstum war solange gut, wie die Meisten davon profitierten. Solange man die globalen Folgen ausblenden konnte, wurde diese Art von «besser» kaum in Frage gestellt. Offenbar wurden zu wenige Fragen gestellt. Denn die Balance zwischen Profit und Umwelt, Arm und Reich, Jung und Alt, Nord und Süd ist gekippt.

Welches «besser» also meinen wir heute? In einer demokratischen Gesellschaft sind die Leitwerte Auslegungssache und bedürfen der ständigen Verhandlung. Nach welchen Massstäben bewerten wir unser Handeln? Vor welchem Horizont denken und handeln wir: Vor einem globalen, regionalen oder nur fürs «Ich»? Wie tarieren wir die Waage zwischen Egoismus und Gemeinwohl, zwischen ich und wir, aus?

Was hat dies alles mit dem Theater zu tun?

Theater ist in seinen guten Zeiten Spiegel und Chronik der Zeit und ein Ort wo ­«deine Sache verhandelt
wird». Und zwar auf künstlerische Weise, d. h. mit Fantasie, Witz, Kreativität,
Ver-rücktheit, Ergriffenheit und Spass, ohne «alternativlose» Zwänge, ohne parteipolitische Machbarkeitsanalytik.

Theater ist ein Ort, an dem eine Gesellschaft sich hinterfragen kann, an dem Werte und Ideen diskutiert werden, an dem Haltungen, auch probeweise, eingenommen werden können. Theater ist eine Art Hefe im Teig der Gesellschaft. Sie kann aufgehen, wenn man sie warm hält, sie kann in kalter Zugluft zusammenfallen.

Kann das Theater besseres Nachdenken, genauere Gefühle, kluge Empathie fördern? Entwirft es bessere Gegenwelten?

Wir wissen es nicht. Doch wir wissen, dass das Theater einer der letzten Orte ist, wo sich Menschen, herausgelöst aus ihrer privaten Vereinzelung, zusammenfinden, um gemeinsam über ihr Dasein, über Sinn und Unsinn des Lebens nicht nur nachzudenken, sondern diesen grossen Fragen auch mit allen Sinnen nachzuspüren.

Im besten Fall funktioniert das Theater als kulturelles Epizentrum, das eine angeregte Debatte über unser Denken und Handeln im Hier und Jetzt in Gang setzt.

Wir verstehen Theater als Lebenslabor und Landsgemeinde der versammelten Köpfe und Herzen. Und wir laden Sie herzlich ein, diesen Ort mit uns zu teilen, sich mit uns über Ihr persönliches «besser» auszutauschen oder sich zumindest genussvoll vom Theater und seinen Diskussionen, seiner Hoffnung anstecken zu lassen.

Herzlich willkommen
zur Spielzeit
2013/14