Schauspiel


Geh mir aus der Sonne

Schauspiel von Ofira Henig & Ensemble

Koproduktion von TAK Theater Liechtenstein, Kurtheater Baden, Spielart Festival, München, Zürcher Theater Spektakel

Ein internationales Theaterprojekt der grossen israelischen Regisseurin Ofira Henig.

NEU: Interview mit Ofira Henig unter "+"

 

"Geh mir aus der Sonne" ist das erste Projekt der berühmten israelischen Regisseurin Ofira Henig, das sie ausschliesslich für eine Tournee in Europa inszeniert. Grundlage bilden eigene Erfahrungen und Texte von Künstler/innen, die aus politischen und künstlerischen Gründen zu ihrer Zeit diskriminiert wurden oder Ausgrenzung erfuhren.

 

Untersucht wird der Konflikt zwischen künstlerischer und persönlicher Freiheit und die Abhängigkeit von Politik und Gesellschaft. Nach ausgiebigen Recherchen verfassten Ofira Henig und die Schauspieler und Schauspielerinnen eine Textgrundlage, die in Workshops und Proben kontinuierlich weiter entwickelt wird. In einer raffinierten Montage pendeln die Schauspieler/innen zwischen historischen Figuren und ihrer eigenen Gegenwart.

 

Ofira Henig schreibt: „Im September 2011 unternahm eine Künstlergruppe eine Reise ins Europa des 19, 20. und 21. Jahrhunderts auf der Suche nach anderen Künstlern, die die Sonne nicht mehr sehen konnten. Sie trafen auf Heinrich Heine, Frederico García Lorca, Robert Capa – jedoch auch auf Leni Riefenstahl. Und fern ihres Landes, eingebettet in echte und imaginierte Wirklichkeiten, entdeckte die Gruppe, dass sie sich, obschon zuhause nicht an Leib und Leben bedroht, weit von dem ihnen bekannten Kontext entfernen mussten, um die Sonne sehen zu können."


Die Ensemblemitglieder haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe und verschiedene Muttersprachen. Einige von ihnen sind Israelis und andere Palästinenser.

„Wir verstehen unsere Arbeit jedoch nicht als „Koexistenz“-Projekt. Wir arbeiten nicht zusammen, um zu beweisen, dass israelische und palästinensische Künstler miteinander leben können, sondern weil wir den Glauben an einen gemeinsamen künstlerischen Weg teilen und unsere Sprache die des Theaters ist. Wir respektieren die ethischen Grenzen jedes Ensemblemitglieds und haben gemeinsam beschlossen, für dieses Projekt keine finanzielle Unterstützung der israelischen Regierung anzunehmen. Das Projekt wurde und wird auch in der Zukunft ausschliesslich von europäischen Institutionen gefördert.“ (O. Henig)

 

Ofira Henig (1960 in Israel) erhielt bereits als Regiestudentin einen Vertrag am weltberühmten Habima Theater in Tel Aviv. Bald schon wurde sie mit der Leitung des Khan Theaters in Jerusalem und des Israel Festivals betraut. Ihre Arbeiten waren auf internationalen Festivals in aller Welt eingeladen, und Peter Brook holte sie als Regisseurin an sein Theater in Paris. Während ihrer Intendanz des kleinen Herzliya Theaters gab sie ihrem hochkarätigen Ensemble, wie anderen Künstler/innen in Israel auch, eine Heimat in einem Land, dessen rechtsgerichtete Regierung Kunst und Kultur zunehmend zu Propagandazwecken missbraucht.

Mit ihrer Kündigung vom Theater Herzliya verlor Ofira Henig ihre materielle Basis in Israel. Einige Ensemblemitglieder solidarisierten sich  und verliessen das Theater.  Daher versucht das TAK durch internationale Koproduktionen mit verschiedenen Theatern und Festivals, Ofira Henig und ihrem Ensemble eine Existenz und eine künstlerische Heimat in Europa zu sichern.

 

Die Welturaufführung findet am TAK statt.

 

Koproduktion von TAK Theater Liechtenstein, Kurtheater Baden, Spielart Festival München, Zürcher Theater Spektakel

 

Konzept und Regie: Ofira Henig
Texte: Gilad Evron, Yousef Abu Warda/Taher Najib, Ofira Henig

Visuelles Konzept: Amit Drori

Kostüme: Miriam Guretzki- Bilu

Fotos und Video:Gerard Alon

Regieassistenz: Lukas Czech 

 

Übersetzung vom Hebräischen ins Deutsche: Adina Stern

Übersetzung vom Deutschen ins Hebräische: Hanan Elstein

Übersetzung vom Englischen  ins Hebräische: Simon Bouzaglo

 

Mit:

Yousef Abu Warda

Nimrod Bergman

Sylwia Drori / Shalom Shmuelov

Salwa Nakkara

Rivka Neumann

Doron Tavori

Amitay Yaish-Benouzilou

Yossi Zabari

 

Produktionsleitung: Riva Goldberg

Produktion und Internationale Gastspiele: Gal Canetti- canetti&talents

 

Interview mit Ofira Henig vor der Premiere am TAK:

In einer Probenpause hatten wir Gelegenheit, mit Ofira Henig über den Stand der Proben zu sprechen.

TAK: Noch wenige Tage bis zur Uraufführung, in welchem „Stadium“ befindet sich das Projekt?
Ofira Henig: Oh, es geht gut voran. Wir sind an dem Punkt im Probenprozess, an dem sich in die hohe Konzentration ein wenig erste Premierennervosität mischt. Aber wir haben hier sehr angenehme, entspannte Produktionsbedingungen.
TAK: Sie sprechen immer wieder von einer „Collage“. Wie ist das zu verstehen?
Ofira Henig: Das Stück basiert zum einen auf Originaltexten der Künstler, an denen wir uns orientieren, also Heine, Lorca, Capa und Riefenstahl. Das sind persönliche Äusserungen, wie zum Beispiel Briefe, aber auch Texte aus ihren Werken. Ihren Worten stellen wir eigene Worte gegenüber. Im Stück gibt es die Figur der Erzählerin, deren Geschichte auf meiner Biografie basiert.
TAK: Die Texte basieren also auf eigenen Erfahrungen?
Ofira Henig: Ja, das ist ein zentraler Punkt des Projekts: Es geht ja gerade darum, wie früher und auch heute Künstler/innen Ausgrenzung erfahren. Das gilt sowohl für mein Ensemble und mich wie auch für unsere historischen Gefährten, die wir im Stück auftreten lassen: Heine, Lorca, Capa etc.
TAK: Begeben Sie sich also auf die Suche nach Identität?
Ofira Henig: Wir untersuchen den Konflikt zwischen künstlerischer und persönlicher Freiheit und die Abhängigkeit als Bürger und Künstler von Politik und Gesellschaft. Das ist ein Thema, das mich notgedrungen schon lange beschäftigt. Ich lebe in einer so genannten Demokratie und leide sehr unter deren nationalistischen Zügen. Da unser System eine Demokratie ist, fühle ich mich als Bürger verantwortlich dafür, was sich politisch abspielt. Und gleichzeitig fühle ich mich so machtlos. Als ich als Intendantin noch Zugang hatte zu einer öffentlichen Institution konnte ich mich wenigstens als Künstlerin einbringen und – auf einer symbolischen Ebene – Stellung beziehen. Ich brauche das. Ich kann nicht tatenlos sein. Aber ich möchte mich als Künstlerin einbringen. Mich interessieren Menschen in all ihren Facetten und Widersprüchen. Schwarz-Weiss-Denken führt nur zu weiteren Polarisierungen und Verkrustungen. Die Kunst hat im besten Fall die Möglichkeit und Kraft Komplexität und Nuancen auszuloten und Fragen zu stellen, ohne sich auf Antworten festlegen zu müssen.
TAK: Es ist für sie das erste Projekt, dass sie ausschliesslich für eine Tournee in Europa inszenieren. Wie wirkt sich das auf ihre Arbeit aus?
Ich freue mich über diese Möglichkeit meine Arbeit überhaupt fortzusetzen. Und mit der Arbeit für Europa stellt sich für uns die Frage nach dem Kontext sehr unmittelbar. Das ist für unser Projekt produktiv.

 

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Weitere Hintergrundinformationen zu Ofira Henig:

Radio-Interview mit Ofira Henig

Über Ofira Henig im Jewish Women's Archive

An interview with Khalifa Natour and Ofira Henig 

Termine


Mittwoch 26.09.12
20:09 - TAK

Donnerstag 27.09.12
20:09 - TAK

Dauer: 1h 50m ohne Pause